Schräg, schillernd, Cher
Einer der schillerndsten Popstars aller Zeiten wird am 4. Dezember als Wettpatin zu Gast bei Thomas Gottschalk sein: Cher! Die US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin ist mittlerweile seit über 40 Jahren im Showgeschäft - und aktiv wie eh und je. Ab dem 6. Januar 2011 ist sie in Deutschland wieder im Kino zu sehen: Neben Christina Aguilera spielt sie in "Burlesque" eine frühere Tänzerin, die einen Neo-Burlesque-Club leitet.
Cher wurde am 20. Mai 1946 als Cherilyn Sarkisian LaPiere in ElCentro/Kalifornien geboren. Ihre Mutter Jackie Jean Cronch, die sich zeitweise Georgia Holt nannte, war achtmal verheiratet und hat Vorfahren bei den Cherokee-Indianern. Gelegentlich arbeitete sie als Schauspielerin und Model. Mit 18 Jahren brachte sie Cher zur Welt, doch Vater John Sarkisian, ein armenischer Lastwagenfahrer, verließ die Familie kurz nach der Geburt. Chers Mutter heiratete einen Schauspieler namens John Southall, bekam eine weitere Tochter und brach auch die zweite Ehe ab. Der dritte Ehemann Gilbert LaPiere adoptierte die beiden Kinder.
Karriere mit Sonny Bono
Mit 16 Jahren verließ Cher die Schule und ging nach Los Angeles. Hier besuchte sie eine Schauspielschule und lernte 1964 den italo-amerikanischen Gelegenheitsarbeiter Salvatore "Sonny" Bono kennen, durch den sie zum Gesang fand. Mit Sonny Bono, den Cher noch im gleichen Jahr heiratete, trat sie zunächst in Nachtclubs auf. Als Duo gelang ihnen dann mit "I Got You, Babe" 1965 ein Welthit, dem weitere folgten, darunter "The Beat Goes On" und "Bang Bang". Sonny und Cher zählten zu den beliebtesten Hippie-Idolen der 60er Jahre - auch, weil sie sich bewusst von der Musikrichtung "Protest-Rock" eines Bob Dylan absetzten.
Von 1971 bis 1975 moderierten Sonny und Cher bei CBS eine eigene TV-Show ("Sonny and Cher Comedy Hour"), die gute Einschaltquoten hatte, und 1972 gelang dem Duo mit dem Hit "All I Ever Need Is You" ein glanzvolles musikalisches Comeback. Cher ging von da an zunehmend eigene musikalische Wege mit Titeln wie "Gypsies, Tramps and Thieves" (1971), "Half-Breed" (1973) und "Dark Lady" (1974). 1975 trennten sich die beiden auch privat. Cher heiratete im selben Jahr den Blues-Sänger und Gitarristen Gregg Allman ("Allman Brothers"), verließ ihn jedoch bereits ein Jahr später. In den folgenden Jahren etablierte sie sich mit einer eigenen TV-Show und Unterhaltungsshows in Las Vegas.
Neue Karriere als Schauspielerin
Eine neue Karriere begann für Cher, als Robert Altman ihr 1982 in seiner Off-Broadway-Inszenierung von Ed Gracyks Kleinstadtdrama "Komm zurück, Jimmy Dean" eine Rolle gab und sie dabei auf Anhieb eine bemerkenswerte schauspielerische Begabung zeigte. Fachkritiker feierten Cher als genial-intuitive Charakterdarstellerin und sahen sich in diesem Urteil bestätigt, als Cher 1983 in Mike Nichols' Anti-Atomkraft-Film "Silkwood" als lesbische Kernkraftwerksarbeiterin agierte.
Diese Rolle brachte ihr eine "Oscar"-Nominierung und den "Golden Globe" für die beste weibliche Nebenrollenleistung ein. Ihre erste Hauptrolle, mit der sie sich endgültig als Schauspielerin etablieren konnte, spielte sie 1985 in Peter Bogdanovichs Film "Mask". Die Rolle der Mutter eines Schwerbehinderten brachte ihr bei den Filmfestspielen in Cannes den Preis für die beste Schauspielerin ein.
"Oscar" für "Mondsüchtig"
1987 und 1988 war Cher gleich in drei Filmen zu sehen: Neben Jack Nicholson spielte sie in dem Kassenknüller "Die Hexen von Eastwick", als unbeugsame Strafverteidigerin eines mordverdächtigen Vietnam-Veteranen war sie in "Suspect - Unter Verdacht" zu sehen, und als "Glanzrolle" wurde ihre Loretta Castorini in der Komödie "Mondsüchtig" an der Seite von Nicolas Cage gefeiert. Im April 1988 wurde Cher für diese Leistung mit dem "Oscar" als beste Schauspielerin geehrt.
1989 meldete sich Cher mit ihrem Album "Heart of Stone" erfolgreich als Sängerin zurück. Bei ihrem nächsten Film, dem autobiografisch anmutenden Märchen "Meerjungfrauen küssen besser", trug sie auch zum Soundtrack bei und landete einen Hit mit der Cover-Version von Rudy Clarks "The Shoop Shoop Song". Mit dem 1991 produzierten Album "Love Hurts" erreichte die Sängerin zum ersten Mal in den Albumcharts die Spitzenposition.
Erfolge als Regisseurin
1995 meldete sie sich mit "It's A Man's World" zurück, einem Album, auf dem sie ausschließlich Songs männlicher Kollegen coverte. Im gleichen Jahr brillierte sie in dem satirischen Ehekrimi "Hochzeitstag" als selbstmordgefährdete Ehefrau, die von einem Killer im Auftrag ihres Mannes ins Jenseits befördert werden soll. Ein Jahr später führte Cher erstmals Regie in dem TV-Film "Haus der stummen Schreie", der das Thema Abtreibung behandelt und in dem Cher auch als Abtreibungsärztin auftrat.
Mit ihrem Housesong "Believe" aus dem gleichnamigen Dance-Pop-Album avancierte Cher 1998 zum ältesten weiblichen Popstar, der je auf Platz eins der US-Hitparade landete. Dank ihrer Wandlungsfähigkeit war ihr wieder einmal ein grandioses Comeback gelungen. Im Juni 1999 ging sie nach zehnjähriger Bühnenabstinenz auf Welttournee, unter anderem auch in Deutschland, wo die Fachpresse ihre einzigartige Stimme und die schillernde Bühnenshow begeistert feierte. 2001 startete das "Gesamtkunstwerk" (Cher über sich selbst) schließlich eine mehrjährige Abschiedstournee unter dem Motto "Farewell", die bis zum Juli 2004 etwa 145 Millionen Dollar eingespielt hatte. Nun ist Cher also wieder da - ihr Film "Burlesque" startet in Deutschland am 6. Januar 2011.
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