Vom Rap zum Soul und Funk
HipHop, Reggae, Soul und Funk - Jan Delay lässt sich musikalisch in keine Schublade pressen. Mit seinem Soul-Album "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" feierte er im vergangenen Jahr einen riesigen Chart-Erfolg. "Die Platte ist eine reine Tanzplatte zum Spaß haben und Glücklichsein", so Jan Delay. Bei Wetten, dass..? präsentiert er daraus seinen Hit "Disko".
Jan Delay wird 1976 in Hamburg-Eppendorf geboren. Von 1986 bis 1995 besucht er das Gymnasium, das er mit dem Abitur abschließt. Durch seine Eltern kommt er schon früh mit den verschiedensten Musikstilen in Kontakt. Die Platten, zu denen er schon als 5-Jähriger tanzt, lassen ihn nach eigener Aussage bis heute nicht mehr los: "Searching For The Young Soul Rebels" von "Dexy's Midnight Runners", Bob Marleys "Live", "Road To Run" von den "Ramones" und "Nina Hagen Band" von Nina Hagen.
Schlüsselerlebnis "Formel eins"
Seine Mutter ist es auch, die 1986 nach einer New-York-Reise ihrem zehnjährigen Sohn von einer neuen, aufregenden Musikrichtung namens Rap erzählt. Ein Auftritt von "Run DMC" in der Fernseh-Chartshow "Formel Eins" wird zum musikalischen Schlüsselerlebnis: Vor allem das laute Schlagzeug zieht den kleinen Jan in seinen Bann, die coolen Klamotten und Turnschuhe tun ihr übriges. Das Feuer ist entfacht und spätestens mit "It Takes A Nation" von "Public Enemy" hat sich HipHop für immer in seine Seele eingebrannt.
Nach manischem Plattensammeln, "Wände beschmieren" und Versuchen als DJ ist der Drang, richtig mitzumischen, nicht mehr zu stoppen. Mit 13 Jahren gründet Jan mit seinem Basketballkumpel Fab5finger das HipHop-Fanzine "Hype". Die Tatsache, dass Fab5 der Cousin von Torch von der Pionier-Rapgruppe "Advanced Chemistry" ist, bringt die beiden in Kontakt zu der sich gerade formierenden deutschen HipHop-Szene und somit unzählige Interviewgäste für ihre über vier Ausgaben bestehende Zeitung. Es zeigt Jan Delay auch, dass es möglich ist, in unpeinlicher Weise auf Deutsch zu rappen.
Beginn mit den "Beginnern"
1991 gründet Jan mit seinen "Homies" Denyo und Platinmartin die Rapgruppe "Absolute Beginner". Auf den Samplerbeitrag "K.E.I.N.E" folgt 1993 die erste eigene EP "Gotting" und unzählige Konzerte auf Jugendhausbühnen in ganz Deutschland sowie schließlich die zweite EP "Ill Styles" und 1996 die LP "Flashnizm (Stylopath)", auf der sich neben Rap auch Dub, Bossa Nova und Funk-Einflüsse finden. Nach zwei Tourneen mit Livebesetzung entschließt man sich, für die zweite LP nicht nur zum originalen HipHop-Instrumentarium - zwei Plattenspieler, ein Sampler und drei Mikrofone - zurückzukehren, sondern auch zu einem Major-Label zu gehen.
1998 erscheint "Bambule", und der immense Erfolg - das Album ist ein Jahr lang in den Charts und verkauft sich über 300.000 Mal - wird nur von Platinmartins Ausstieg aus der Gruppe überschattet. Mit seiner markanten, etwas näselnden Stimme prägt Jan Delay diese besondere Art des Deutschraps, und vor allem der Titel "Liebeslied" wird zum großen Hit.
Manager und Talentförderer
Zur gleichen Zeit entstehen in Deutschland und speziell in Hamburg viele neue Bands: "5 Sterne Deluxe", "Eins zwo", "Dynamite Deluxe" und viele andere schließen sich in Hamburg zu einer Art Kreativpool zusammen. Jan Delay, der Dynamite Deluxe managt, entschließt sich, das Label "Eimsbush Entertainment" zu gründen, um den kreativen Freunden Jobs und den unbekannten Talenten ein Forum zu bieten. Nach amerikanischem Vorbild bringt man die Tonträger erstmal auf Cassette heraus, um niedrige Produktionskosten zu gewährleisten. Das Demo von Dynamite Deluxe geht als bestverkauftes "Mixtape" in die Geschichte ein
Als ihn Herbert Grönemeyer 1999 bittet, bei seinem Projekt "Pop 2000" mitzumachen, nutzt Jan Delay die Gelegenheit, sich wieder anderweitig auszuleben und nimmt eine Reggae-Version von Nenas "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" auf - die Single erreicht Platin-Status. Der damit einsetzende Medienrummel, aber auch die von Jan Delay so empfundene Missgunst innerhalb der "Szene" aufgrund der "verweichlichten" Pophits führen zu einem kompletten Richtungswechsel.
Pionier mit deutschem Reggae
Jan Delay schließt sich mit Matthias Arfmann und der aus Kollegen- und Wegbegleiterkreisen formierten "Sam Ragga Band" zusammen, um Deutschlands erstes deutschsprachiges Reggae-Album zu produzieren. Als Vorbote sowie auch als Antwort auf die vorangegangenen zwei Jahre erscheint die Single "Ich möchte nicht, dass Ihr meine Lieder singt!", im April 2001 wird das Album "Searching for the Jan soul rebels" veröffentlicht. Auf dem vom Reggae geprägten Album vermischt Jan Delay gekonnt weitere Musikstile und wird von den Kritikern aufgrund seiner Kreatitivität und Innovationsfreude hoch gelobt.
Nach ihrer Auszeit machen sich nun auch die "Beginner" wieder an die Arbeit, um den Nachfolger von "Bambule" zu veröffentlichten. Nach einer Produktionsphase von anderthalb Jahren erscheint im September 2003 "Blast Action Heroes" und steigt in den deutschen Charts sofort auf Platz 1 ein. In derselben Woche meldet Jans Label "Eimsbush Entertainment" allerdings Insolvenz an. Jan Delay konzentriert sich zu dieser Zeit aber schon auf sein nächstes Projekt. Mit DJ Mixwell gründet er ein DJ-Team, das ohne jegliche Genregrenzen alles wild zusammenmixt und damit die Clubs in Deutschland und der Schweiz unsicher macht. 2004 veröffentlichen sie ein gleichnamiges Mixtape.
"Wir Kinder vom Bahnhof Soul"
Zeitgleich erwacht in ihm das nächste Vorhaben, sich nun einmal an einer Art Funkplatte zu versuchen. Im August 2006 erscheint Jan Delays zweites Soloalbum "Mercedes-Dance", das er in Zusammenarbeit mit seiner neuen Band "Disko No. 1" aufnimmt. Schon in der ersten Woche stürmt die CD Platz eins der deutschen Charts. In der Folge ist Jan Delay gemeinsam mit "Disko No. 1" immer wieder auch live unterwegs. In etwa 150 gemeinsamen Auftritten wächst eine musikalische Einheit zusammen.
Nach einer Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg für dessen Album "Stark wie Zwei" zielt Jan Delay mit seinem dritten Soloalbum "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" 2009 noch etwas höher. Die CD, die sich musikalisch sich wie der Vorgänger ebenfalls stark an Funk und Soul anlehnt, ist der Versuch, das vorherige Album "nochmal in richtig und richtig gut" zu machen. Auch einen anderen Traum wird Jan Delay nun bald erreichen, nämlich den, einmal bei Wetten, dass..? aufzutreten. Über seinen Auftritt dort äußerte er sich einmal in einem Interview: "Ich würde eine Punkrockshow abliefern, so wie Harald Schmidt, als er im silberfarbenen Ganzkörperkondom auf Rollschuhen ins Studio fuhr." Man darf also auf seinen Auftritt am 27. Februar in Erfurt gespannt sein ...
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