Marga Spiegel, die Tante des langjährigen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, wurde im hessischen Oberaula geboren. Nach dem Abitur in Frankfurt begann sie 1933 ein Studium, wurde aber wegen ihrer jüdischen Abstammung schon nach dem ersten Semester der Universität verwiesen. Mit ihrem Mann Siegmund zog sie später nach Ahlen, 1938 kam ihre Tochter Karin zur Welt.
Verfolgung durch die Nazis
Die antisemitische Hetze der Nazis und die zunehmende Verfolgung der Juden brachten auch die Familie Spiegel immer mehr in Bedrängnis. Marga Spiegels Vater wurde ins KZ Sachsenhausen deportiert und verstarb dort "an inneren Blutungen", wie es offiziell hieß. Auch Marga Spiegel selbst und ihre Familie kamen immer mehr unter Druck. 1943 wurde Siegmund Spiegel aufgerufen, sich zur Kontrolle der Arbeitspapiere zu melden. Da die Familie seine Deportation befürchtete, ergriffen die Spiegels die Flucht.
Die Umstände dieser Flucht, das ständige Leben in Angst und ihre glückliche Rettung hat Marga Spiegel in ihrem Buch "Retter in der Nacht" beschrieben, das 1969 erstmals erschien. Sie schildert in ihrem Bericht, wie couragierte Bauern im Münsterland von 1943 bis 1945 ihren Mann versteckt und sie selbst mit ihrer Tochter unter falschem Namen bei sich aufgenommen haben. Damit gelang den Bauern das scheinbar Unmögliche: Die gesamte Familie zwei Jahre lang zu schützen und vor der Deportation zu bewahren und damit ihr eigenes Leben zu riskieren, ohne letztlich gefasst zu werden.
Freundschaft und Menschlichkeit
Marga Spiegel zog nach dem Krieg nach Ahlen zurück und lebt heute - inzwischen 97 Jahre alt - in Münster. Ihre Tochter Karin lebt in den USA. Mit "Unter Bauern" wollen die Macher des Films der Familie Spiegel, aber auch den Menschen, die ihnen halfen, ein filmisches Denkmal setzen. Ohne die Unmenschlichkeit des "Dritten Reichs" zu verharmlosen, zeigt der Film eine sehr warmherzige und versöhnliche Seite des Themas und erzählt eine Geschichte über Freundschaft, Loyalität und Menschlichkeit.