Mit Frack und Fliege zum Welterfolg
2011 geht Max Raabe mit seinem neuen Solo-Album „Küssen kann man nicht alleine“ auf Tournee. Hinter den Kulissen wirbelt Produzentin Annette Humpe – auch Musikmachen geht besser zu zweit.
Begeistert sich ein Grundschüler für die Opern von Wagner, ist das ganz sicher etwas Besonderes. Und ein Teenager, der neben Beethoven die Aufnahmen der Comedian Harmonists aus den „goldenen“ zwanziger Jahren liebt, fällt auch aus der Reihe – besonders wenn andere seines Jahrgangs gerade auf Depeche Mode & Co. abfahren. Noch dazu besitzt Max Raabe (48) eine außergewöhnliche Stimme. Für ihn wird schnell klar: Daraus muss man etwas machen, auch wenn ihm das siebenjährige Studium zum Opernsänger nicht geschenkt wird. Er schneidet Hecken, mäht den Rasen anderer Leute, putzt dunkle Hausflure und singt – für wenig Geld – hier und da schon mal. 1986 kommt eine andere Möglichkeit ins Spiel, das Studium zu finanzieren: die Gründung des Palast Orchesters. Das Repertoire der insgesamt zwölf Künstler: Schlager aus den zwanziger und frühen dreißiger Jahren.
Eine Idee wird geboren
Auf der Suche nach den Originalnoten durchstöbern Raabe und seine Mitstreiter Archive, Flohmärkte und Antiquariate, besorgen sich alte Platten und Filme – damit am Ende Orchesterfassungen entstehen, die authentisch klingen. Aber Max Raabe lässt es sich nicht nehmen, den Stücken seine eigene Handschrift zu geben. Sie sind keine nachgespielten Schlager oder bloße Remakes, sie sind Neuinterpretationen. Damit schafft es Raabe, das zeitlos Moderne dieser Musik herauszuarbeiten. Ob in Lübeck, Los Angeles, München oder Montreux, er feierte seine Erfolge in Europa, den USA und in Asien.
Mit Stil in die Zukunft
Die Musik der 20er-Jahre geht ihm so in Fleisch und Blut über, dass er 1992 mit einem neuen Lied im alten Stil die Charts erobert. „Kein Schwein ruft mich an…“ trifft die Stimmung und Gefühlslage der Menschen im Zeitalter von Handy und Internet. Und das ist es, was Max Raabe wichtig ist. Er will mit seinen Liedern nicht im Damals verharren. So kommt Produzentin Annette Humpe (60), mit der er jetzt sein Solo-Album „Küssen kann man nicht alleine“ geschrieben und aufgenommen hat, gerade zur rechten Zeit. Ihr Sinn für Ironie und feine Zwischentöne verbindet die einstige Sängerin von Ich+Ich mit Raabe. Außerdem teilen sie eine Art heitere Melancholie, mit der die Musik der beiden wohltuend aus der Reihe fällt.