Michael Ballack kämpferisch nach WM-Aus
Ein Tritt auf den Knöchel im englischen Pokalfinale bedeutete das WM-Aus für Michael Ballack und schockierte ganz Fußball-Deutschland: Nun muss die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ohne ihren "Capitano" bei der Weltmeisterschaft in Südafrika auskommen. Ballack selbst, der nach seiner Verletzungspause wieder "voll angreifen" will, machte seiner Mannschaft Mut: "Unser Team wird eine gute WM spielen, davon bin ich fest überzeugt." Am Sonntag ist der Kapitän des deutschen Teams als Wettpate zu Gast bei Thomas Gottschalk.
Michael Ballack wurde in Görlitz geboren und wuchs in dem kleinen Chemnitzer Vorort Wittgensdorf auf, wo er auch mit dem Fußballspielen begann. Schon bald fiel sein außerordentliches Talent auf: Nach der Jugendzeit erhielt er 1995 einen Profivertrag beim damaligen Zweitligisten Chemnitzer FC. Ballack stieg jedoch im ersten Jahr mit seinem Verein ab und spielte danach eine Saison in der Regionalliga. Mehrere Bundesligisten interessierten sich für ihn, aber auch der damalige Zweitligist 1. FC Kaiserslautern, bei dem er dann im März 1997 schließlich einen allerdings nur für die Bundesliga geltenden Dreijahresvertrag unterschrieb.
Förderung durch Otto Rehhagel
In Kaiserslautern wurde Ballack von Otto Rehhagel, der sich persönlich um seine Verpflichtung bemüht hatte, ganz behutsam aufgebaut. Bereits im zweiten Jahr schaffte er in der Bundesliga den Durchbruch und bestritt 30 Spiele, in denen er vier Treffer erzielte. Im Juli 1999 wechselte Ballack zu Bayer Leverkusen. Kurz zuvor, im April 1999, hatte er beim 0:1 gegen Schottland in Bremen als Einwechselspieler sein Debüt in der Nationalmannschaft gefeiert.
Bei Bayer Leverkusen wurde Michael Ballack schnell zur entscheidenden Stütze der Mannschaft. Als Mittelfeld-Stratege bot er Klasseleistungen am laufenden Band. In der Saison 2001/2002 gelang ihm schließlich auch international der Durchbruch zum Klassespieler. Nicht zuletzt dank Ballack stieß Bayer Leverkusen in der Champions League bis ins Finale vor, wo sich die Mannschaft mit viel Pech Real Madrid geschlagen geben musste. Auch in der Nationalmannschaft avancierte Ballack unter Trainer Rudi Völler zum Stammspieler.
Deutschlands "Fußballer des Jahres"
Überragende Leistungen lieferte er im November 2001 in den beiden Relegationsspielen zur WM 2002 gegen die Ukraine, in denen er auch drei der fünf deutschen Treffer erzielte. Seine aufsteigende Tendenz unterstrich Michael Ballack dann eindrucksvoll bei der Weltmeisterschaft 2002 in Korea und Japan. So wählten ihn Deutschlands Sportjournalisten denn auch in den Jahren - wie später auch im Jahr 2003 und 2005 - 2002 erstmals zum "Fußballer des Jahres".
Im Sommer 2002 wechselte Michael Ballack zum FC Bayern München. Er verschaffte sich auf Anhieb den nötigen Respekt und führte die Mannschaft zur Deutschen Meisterschaft und zum Gewinn des DFB-Pokals, wobei er im Finale gegen seinen Ex-Klub 1. FC Kaiserslautern zwei Treffer zum 3:1-Sieg beisteuerte. Nach seiner herausragenden Vorstellung bei der WM 2002 war Michael Ballack auch in der Nationalelf zu einem Führungsspieler aufgestiegen, der die damit verbundenen Erwartungen meist auch erfüllen konnte.
Kapitän der Nationalmannschaft
In den Qualifikationsspielen zur Europameisterschaft 2004 in Portugal erzielte er vier Treffer, und bei der EURO selbst war er der herausragende Spieler der deutschen Mannschaft, die allerdings bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten musste. Völlers Nachfolger Jürgen Klinsmann ernannte ihn im Sommer 2004 zum neuen Mannschaftskapitän.
In den beiden Jahren bis zur Weltmeisterschaft 2006 avancierte Ballack in der Nationalmannschaft endgültig zum absoluten Star. Der Höhepunkt der Zeit zwischen EM 2004 und WM 2006 war der Confederation Cup 2005 in Deutschland, wo Ballack das Team nach guten Leistungen auf den dritten Platz führte. Nach einem monatelangen Tauziehen um einen möglichen Wechsel gab Michael Ballack im Frühjahr 2006 schließlich seinen Wechsel vom FC Bayern zum FC Chelsea London bekannt.
Hauptfigur im "Sommermärchen"
Im Sommer 2006 erlebte Michael Ballack als eine der Hauptfiguren das so genannte "Sommermärchen", die WM-Endrunde im eigenen Land. Nach dem Turnier, bei dem die deutsche Mannschaft den dritten Platz belegte, wurde er in das 23-köpfige All-Star-Team gewählt. Wenn auch die Enttäuschung nach dem Ausscheiden im Halbfinale gegen Italien groß war, überwog letztlich doch die großartige Leistung, die das deutsche Team um seinen Kapitän Michael Ballack gezeigt hatte.
Bei seinem neuen Verein FC Chelsea absolvierte Ballack in seiner ersten Saison 26 Premier-League-Spiele, wurde mit dem Club englischer Vizemeister und gewann den FA-Cup. In der Champions League absolvierte er bis zum Viertelfinale gegen den FC Valencia zehn Spiele fast über 90 Minuten.
Comeback nach Verletzung
Eine langwierige Verletzung setzte Michael Ballack danach allerdings erst einmal außer Gefecht. Im Juli 2007 Ballack musste er die bittere Nachricht schlucken, dass ihn Chelseas Trainer José Mourinho nicht für die Champions League gemeldet hatte. Erst im Dezember konnte er wieder in den Spielbetrieb eingreifen. In der Folge trug Ballack maßgeblich dazu bei, dass Chelsea dem großen Rivalen Manchester United in der Premier League bis zum letzten Spieltag ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte und auch in der Champions League das Finale erreichte.
Auch bei der Euro 2008 in Österreich und der Schweiz erreichte Ballack mit der deutschen Mannschaft das Finale, unterlag dort aber der Mannschaft von Spanien mit 0:1. Sein Freistoßtor im dritten Gruppenspiel gegen Österreich, das den Einzug ins Viertelfinale bedeutete, wurde zum Tor des Jahres 2008 gewählt. Auch im Verein konnte er Erfolge feiern: 2010 gelang ihm mit dem FC Chelsea das Double aus Pokalsieg und Meisterschaft. Nach dem für ihn bitteren WM-Aus will sich Michael Ballack nach seiner Verletzung im Verein und der Nationalmannschaft wieder voll engagieren. Das nächste Ziel mit der deutschen Mannschaft ist das Erreichen der Europameisterschaft 2012.
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