Hollywood-Diva von Weltrang
Die Bezeichnung "Leinwandgöttin" gebührt Sophia Loren nicht ohne Grund: Die Italienerien spielte in weit mehr als hundert Filmen mit und ist eine der letzten großen Diven Hollywoods. Nachdem sie 1961 zum ersten Mal mit dem "Oscar" geehrt wurde, erhielt sie 1991 den Ehren-"Oscar" und 2007 ein "Bambi" für ihr Lebenswerk. Am 25. Februar kommt ihr neuer Film "Nine" in die Kinos, in der sie neben Nicole Kidman, Penélope Cruz und Kate Hudson eine der Hauptrollen spielt. Am 27. Februar ist Sophia Loren als Wettpatin zu Gast bei Wetten, dass..?.
Sophia Loren wurde am 20. September 1934 im kleinen Dörfchen Pozzuoli bei Neapel geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen heran. Ursprünglich wollte sie Lehrerin werden, doch ihre Mutter erkannte ihr schauspielerisches Talent und bemühte sich früh, ihrer Tochter den Weg zum Film zu ebnen. Bereits als Vierzehnjährige gewann Sophia den zweiten Preis bei der Wahl einer neapolitanischen "Prinzessin des Meeres", mit 16 wurde sie "Miss Eleganza". Eine Zeit lang stand sie unter dem Pseudonym Sophia Lazzaro bei einem römischen Zeitschriftenverlag Modell für eine Serie von Fotoromanen. Dazu kamen erste kleine Filmrollen und eine Statistenrolle in dem in Rom gedrehten US-Film "Quo vadis" (1950).
Schicksalsbegegnung mit Carlo Ponti
Bei der Wahl zur "Miss Rom" wurde sie 1950 zwar nur Zweite, jedoch entdeckte sie bei dieser Gelegenheit Jurymitglied und Filmproduzent Carlo Ponti, ihr späterer Ehemann, der ihre weitere Karriere entscheidend förderte. Er ließ sie Schauspielunterricht nehmen und gab ihr den Künstlernamen Loren.
Unter der Obhut von Carlo Ponti eröffneten sich ihr in den folgenden Jahren Filmrollen bei den bedeutendsten italienischen Regisseuren. So verhalf ihr Vittorio De Sica mit dem Episodenfilm "Das Gold von Neapel" (1954) und ihrer überzeugenden Darstellung einer volkstümlichen Pizzabäckerin zum Durchbruch. Weitere Filme, wie zum Beispiel "Schade, dass du eine Kanaille bist" (1955), ließen sie rasch zu Italiens Sexsymbol werden, und ihr Filmruhm erreichte schon bald den ihrer großen damaligen Konkurrentin Gina Lollobrigida.
Höchste Auszeichnungen
Mit "Stolz und Leidenschaft" folgte 1957 ihr erster Hollywoodfilm, und mit Filmen wie "Stadt der Verlorenen" (1957) oder "Die schwarze Orchidee" (1959), wofür sie als beste Schauspielerin in Venedig ausgezeichnet wurde, zählte sie bereits zu den großen internationalen Stars. Ihre Rolle in De Sicas Drama "... und dennoch leben sie" (1961), in dem sie eine italienische Witwe spielte, die in den letzten Kriegstagen zusammen mit ihrer Tochter von amerikanischen GIs vergewaltigt wird, trug ihr höchste italienische Preise und einen "Oscar" ein.
Mit zahllosen Produktionen wie "It started in Naples" (1960), "Madame Sans-Gêne" (1961) oder der Agentenkomödie "Arabesque" (1966) an der Seite von Gregory Peck schrieb sie als Star mit sinnlich-erotischer Ausstrahlung Filmgeschichte. In den USA drehte sie zusammen mit Leinwandgrößen wie Anthony Quinn, Clark Gable, Cary Grant, Frank Sinatra, Anthony Perkins, Charlton Heston oder Paul Newman und machte es manchem männlichen Partner, wie etwa Marlon Brando in Charlie Chaplins letztem Film "Die Gräfin von Hongkong" (1967), schwer, sich neben ihr schauspielerisch zu behaupten.
Traumpartner Marcello Mastroianni
Als Leinwandtraumpaar wurden Loren und ihr italienischer Kollege Marcello Mastroianni gefeiert, mit dem sie insgesamt 13 Filme drehte. 1964 erreichte ihre Karriere einen ersten Höhepunkt, als sie für ihre Rolle in "The Fall of the Roman Empire"eine Gage von einer Million US-Dollar erhielt.
Von ihrem traditionellen Rollenklischee emanzipieren konnte sich Sophia Loren dann in Ettore Scolas Film "Una giornata particulare" (1977), in dem sie, ohne Make-up und unter demonstrativem Verzicht auf die Illusion von Jugend und Schönheit, eine blasse und gedemütigte römische Hausfrau spielt, die eigene Schritte zu gehen wagt. In den achtziger Jahren sah man die Schauspielerin häufiger auch im Fernsehen, unter anderem in "Madre Coraggio" (1986) oder in Lina Wertmüllers TV-Version von "Sabato, domenica e lunedi" (1990). 1980 spielte sie in dem autobiographischen TV-Film "Sophia Loren" ihre eigene Mutter.
Rückkehr nach Hollywood
Ihre selbstbewusste und temperamentvolle Darstellungskunst verschaffte Sophia Loren unumstrittene Anerkennung sowie zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Ehrenpreis bei der "Oscar"-Verleihung 1991 und den Ehrenpreis des "Golden Globe" 1995. In Robert Altmans "Prêt-à-Porter" war sie 1994 noch einmal an der Seite ihres Lieblings-Filmpartners Mastroianni zu sehen. Mit der Komödie "Der dritte Frühling" (1995), in der sie als neue Nachbarin dem ewig streitsüchtigen Paar Walter Matthau und Jack Lemmon den Kopf verdreht, konnte sie erfolgreich ihre Rückkehr nach Hollywood feiern. 1997 war sie im Dokudrama "Soleil" mit Philippe Noiret zu sehen.
In dem italienisch-amerikanischen Film "Zwischen Fremden" spielte sie 2002 erstmals unter der Regie ihres Sohnes Edoardo die alternde und resignierte Frau eines an den Rollstuhl gefesselten Mannes, die aus ihrem fremdbestimmten Leben ausbricht.
Erotische Bilder für den Pirelli-Kalender
Bereits in den 60er Jahren wagte sich die Loren, die wegen ihres Lampenfiebers nie fürs Theater arbeitete, auch in andere Tätigkeitsbereiche, schrieb Kochbücher und kreierte Brillen, Schmuck und Parfüm. Am 11. Februar 2006 trug Sophia Loren bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Turin gemeinsam mit anderen Berühmtheiten die Olympische Flagge ins Stadion. Im gleichen Jahr sorgte die 72-Jährige für Aufsehen, als sie sich für erotische Bilder im Pirelli-Kalender ablichten ließ.
Ebenfalls 2006 war ihr eine große Ausstellung in Rom mit dem Titel "Scicolone, Lazzaro, Loren" gewidmet, die anhand von 4.000 Exponaten Leben und Werk der Diva zeigte. Bereits 1966 hatte das Museum of Modern Art in New York der Oscar-Preisträgerin eine Sonderschau gewidmet. Mit dem Film "Nine" beweist Sophia Loren nun, dass sie immer noch zu den bedeutendsten Schauspielerinnen der Welt gehört. Der Film stützt sich auf das gleichnamige Musical aus dem Jahr 1982, das sich an Federico Fellinis autobiographischen Film "8 1/2" anlehnt. Sophia Loren spielt darin die Mutter des italienischen Regisseurs Guido Contini - das Alter Ego Fellinis im Film.
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