Legenden der Popmusik
Kaum eine andere Band hat in den 90er Jahren für solche Massenhysterie gesorgt wie "Take That": Mit soulig angehauchten Pop-Balladen eroberte die Band eine enthusiastische Fangemeinde. Nachdem sich die erfolgreichste europäische Boygroup 1996 aufgelöst hatte, feierte sie 2007 ihr Comeback - natürlich bei Wetten, dass..?. Seit Juli 2010 sind sie nun endlich wieder auch in Originalbesetzung zusammen - gemeinsam mit dem 1995 ausgestiegenen Robbie Williams.
Zusammengefunden hatten sich Take That bereits 1990 in ihrer Heimatstadt Manchester. Der Musikmanager und Model-Agent Nigel Martin-Smith suchte männliche Teenager, um eine Konkurrenzband zu den US-amerikanischen Teenie-Idolen "New Kids On The Block" aufzubauen. Über Anzeigen und Kontakte fand er schließlich fünf passende Jungs, die schließlich zum Vorbild aller Boygroups der 90er Jahre wurden.
Köpfe Barlow und Williams
Gary Barlow (geboren am 20. Januar 1971) war von Anfang so etwas wie der musikalische Kopf der Band. Seine Karriere begann bereits an seinem zehnten Geburtstag, als die Eltern ihm statt eines BMX-Rades ein Keyboard schenkten. Als Elfjähriger gewann er einen Talentwettbewerb und spielte anschließend an Wochenenden in Pubs alte Stevie-Wonder- und Lionel-Richie-Titel nach. Mit 15 schrieb er seinen ersten Song, ein Jahr später schmiss er die Schule. Weitere zwei Jahre später bot ihm Martin Smith den Job bei Take That an. Dort galt Barlow als der schüchterne Typ, der bei Live-Shows lieber hinter seinem Klavier blieb, als sich vorne auf der Bühne die Kleider vom Leib zu reißen.
"Robbie", eigentlich Robert Peter Williams (geboren am 13. Februar 1974 in Stoke-on-Trent bei Manchester), war dagegen der Clown von Take That, der die gewagtesten Show- und Tanzeinlagen bei den Konzerten riskierte und als Sonnyboy vom Dienst die meisten Mädchenherzen brach. Williams war 15-jährig ohne Abschluss von der Schule gegangen, als ihn Martin-Smith für das Projekt entdeckte.
Wichtig: die Tanz-Choreografie
Mark Anthony Patrick Owen (geboren am 24. Januar 1974) hatte seit seinem neunten Lebensjahr Klavierunterricht erhalten und absolvierte nach der Schule zunächst eine Banklehre in Manchester. Zusammen mit Barlow war er schon als das Pop-Duo "The Cutest Rush" aufgetreten. Howard Paul Donald (geboren am 28. April 1970) markierte den coolen Typ der Gruppe. Jason Thomas Orange (geboren am 10. Juli 1970), der bis dahin sein Geld als Dekorateur verdient hatte, komplettierte das Line-up der Gruppe. Zusammen mit Donald, mit dem er schon vorher als Breakdance-Duo "Street Beat" aufgetreten war, war Orange für die Tanzchoreografie verantwortlich.
Der überwältigende Erfolg kam aber keineswegs über Nacht. Im Juli 1991 erschien auf dem kleinen Indie-Label "Dance UK" die erste Single "Do What U Like". Trotz eines Videos und zahlreicher Fernsehauftritte der Band gab der Song nur ein kurzes Gastspiel in den unteren Rängen der englischen Charts. Was dem Projekt Take That noch fehlte, war eine finanzkräftige Plattenfirma. Die fand sich im September 1991 mit der "RCA". Vier Monate nach dem Debüt kam dort die zweite Single "Promises" heraus, doch erst die übernächste Single "It Only Takes A Minute" brachte Anfang 1992 mit Platz 7 in den Charts den Durchbruch.
Vier Nr. 1-Hits in Folge
Im Mai 1992 hatte Take That die Ehre, von ihrer Königlichen Hoheit, Prinzessin Margaret, zur "Children's Royal Variety Performance" eingeladen zu werden, die vom "BBC"-Fernsehen übertragen wurde. Anfang 1993 verschaffte der Titel "Pray" der Band ihren ersten Nummer-eins-Hit in England, wenig später folgte mit "Relight My Fire" gleich der zweite und mit der Ballade "Babe" sogar der dritte Nummer-eins-Hit in Folge. Der Titeltrack des zweiten, im Oktober 1993 veröffentlichten, Albums "Everything Changes", zur Abwechslung mit Robbie als Leadsänger, war vergleichsweise poppig im Sound und wurde die vierte aufeinander folgende Nummer eins von Take That.
Vor ihrer Europatournee im Sommer 1994 schockten die Jungs ihre Fans mit einem radikalen neuen Look. Aus den braven, adretten Poppern wurden nun böse Buben in frechen Kostümen und einem zwischen Irokesenschnitt, Ziegenbärtchen, Nasenringen und Dreadlocks variierenden Look. Ihr neues, männliches Selbstbewusstsein schlug sich auch in den Songs nieder, der abermalige Nummer-eins-Erfolg, der alle Take That-Verkaufsrekorde brechen sollte, ließ alle Kritiker verstummen: Von dem Album "Everything Changes" konnte "RCA" bis Ende 1995 über drei Millionen Kopien absetzen.
"Beste Gruppe 1994"
Bei der Verleihung der "European Music Awards" des Musiksenders "MTV" wurde Take That Ende 1994 zur "besten Gruppe" gewählt. Desweiteren gesellten sich zwei "Brit Awards" und mehrere deutsche Pokale wie die "Goldene Kamera" oder der "Bravo Otto" zur Trophäen-Sammlung der Band. Barlow erhielt außerdem den renommierten "Ivor Novello Award" als "Songwriter Of The Year" zugesprochen und rückte damit in die gleiche Klasse wie Elton John, George Michael und Annie Lennox auf.
Pünktlich zum Start einer neuen Welttournee im Mai 1995 erschien das dritte Album mit dem Titel "Nobody Else", das prompt von null auf Platz eins der britischen Hitparade sauste. Die Hysterie ging diesmal so weit, dass die Platte schon in der Woche vor ihrer Veröffentlichung in England unter die Top 30 rutschte. Mit den neuen Songs bewies Take That, die jetzt in einem Anzugs-Outfit auf der Bühne erschien, dass sie "den Sprung vom Teenie- zum erwachsenen Pop-Sound" ("Musikwoche") ohne Probleme geschafft hatte. Die Ballade "Back For Good" kletterte im April 1995 aus dem Stand auf Platz 1 der UK-Charts und bescherte Take That zum ersten Mal einen Top-Ten-Erfolg in den USA.
Abschied von Robbie Williams
Hinter den Kulissen rumorte es jedoch, und bereits im Sommer 1995 kam es zum Eklat, als Robbie Williams seinen Abschied von Take That verkündete - angeblich "in aller Freundschaft". Überall mussten Sorgentelefone eingerichtet werden, um den Fans über ihren Schmerz wegen dieser Trennung hinwegzuhelfen. Obwohl die vier restlichen Mitglieder im August 1995 auf Welttournee gingen, war die Luft irgendwie raus. Eine Cover-Version des "Bee Gees"-Klassikers "How Deep Is Your Love" war im Februar 1996 die letzte Produktion der Erfolgsband.
Am 13. Februar 1996 verkündeten Gary Barlow, Mark Owen, Jason Orange und Howard Donald auf einer Pressekonferenz die Auflösung von Take That. Als krönenden Abschluss einer märchenhaften Popkarriere veröffentlichte die Band im März 1996 ihre "Greatest Hits"-CD mit dem gesamten Singles-Repertoire und allen sieben Nummer-eins-Hits sowie den vier Top-Ten-Hits.
Triumphales Comeback
2006, zehn Jahre nach dem Aus der Band, kehrten Take That dann triumphal zurück: Am 23. April feierten sie vor 9000 Fans in der "Metroradio Arena" in Newcastle ihr Live-Comeback. Bis auf Robbie Williams waren alle an Bord. Die folgende 30-tägige Tournee war bereits Ende April nahezu ausverkauft. Williams, der immer wieder eine Reunion abgelehnt hatte, war in Newcastle zumindest virtuell anwesend. Während des Barry-Manilow-Covers "Could It Be Magic" erschien ein etwa drei Meter großes Hologramm von ihm, der somit seine Ex-Bandmitglieder zumindest für dieses eine Lied begleiten konnte.
Mit dem Ende November 2006 veröffentlichten Album "Beautiful World" war das Comeback von Take That vollends perfekt. Im Oktober 2007 veröffentlichte die Band dann "Rule The World", das als Titelsong des Films "Der Sternwanderer" fungierte, um bereits im Winter die "Beautiful World"-Tour anzutreten - ihre bislang größte und erfolgreichste Tournee überhaupt, in deren Rahmen sie allein in Großbritannien über 30 ausverkaufte Konzerte spielten. Im November 2008 brachten Take That dann ihr Album "The Circus" heraus. Nun sind sie, gemeinsam mit Robbie Williams, wieder mit einem neuen Album am Start. "Progress" heißt das Werk, mit dem die Fünf 2011 auch auf große Tournee gehen wollen.
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