Ausgezeichneter Charakterdarsteller
Ob in den Kinofilmen "Das Leben der Anderen" (Oscar 2006), "Das weiße Band" (Goldene Palme 2009) und "John Rabe" (Deutscher und Bayrischer Filmpreis 2009) oder im Fernsehen als "Tatort"-Kommissar Felix Murot: Ulrich Tukur ist einer der besten und beliebtesten deutschen Schauspieler. Daneben ist er Musiker aus Leidenschaft und in dieser Funktion immer wieder auch auf Tournee. Am 30. April ist Ulrich Tukur zum ersten Mal als Wettpate zu Gast bei Wetten, dass..?.
Ulrich Gerhard Tukur wurde mit dem Familiennamen Scheurlen am 29. Juli 1957 in Viernheim als Ältester von vier Geschwistern geboren. Den Künstlernamen "Tukur" (eine Verballhornung des französischen "tout court") nahm er erst später während seines Schauspielstudiums an. Er wuchs in Westfalen, Hessen und Niedersachsen auf. Tukur machte 1977 sein Abitur und studierte anschließend in Boston, wo er die "High School" erfolgreich abschloss.
Akkordeonspieler und "Knödeltenor"
Nach dem Wehrdienst studierte er von 1978 bis 1980 Germanistik, Anglistik und Geschichte in Tübingen und war nebenher als "Tango- und Akkordeonspieler sowie als Knödeltenor" in der von ihm mit gegründeten "Floyd-Floodlight-Foyer-Band" engagiert. Von 1980 bis 1983 studierte er an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart und legte dort die Bühnenreifeprüfung ab.
1982 wurde Ulrich Tukur noch während der Schauspielausbildung von Michael Verhoeven für die Rolle des Willi Graf in dem Film "Die weiße Rose" entdeckt. 1983/1984 folgte ein erstes Theaterengagement an den Städtischen Bühnen Heidelberg, und bereits 1984 war er die gefeierte Neuentdeckung auf deutschen Bühnen, als er an der Freien Volksbühne Berlin die schillernde Figur des SS-Sturmbandführers Kittel in Peter Zadeks"Ghetto"-Inszenierung interpretierte.
Überragend in Shakespeare-Werken
Für sein gleichermaßen eindringliches wie ausdrucksvolles Spiel wurde er u. a. mit dem O.-E.-Hasse-Preis ausgezeichnet. Überragend war Tukurs Leistung nach Kritikermeinung auch als Angelo in Shakespeares "Maß für Maß" am Züricher Schauspielhaus (1985). Ab 1985 gehörte er dem Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg an, später spielte er am Stuttgarter Staatstheater.
Bundesweit bekannt wurde Ulrich Tukur mit der Rolle des Terroristen Andreas Baader in Volker Hauffs Film "Stammheim" (1986). Es folgten Rollen im Episodenfilm "Felix" und dem WDR-Zweiteiler "Das Milliardenspiel" (1989). Daneben machte Tukur auch Karriere als Sänger mit eigener Akkordeon- und Klavierbegleitung. Sein musikalisches Talent bewies er auch in der Hans-Albers-Hommage "In meinem Herzen, Schatz" (1989). Im selben Jahr kehrte er auch ans Hamburger Schauspielhaus zurück.
Als Wehner im Fernsehen
Auch im Fernsehen und Kino war Ulrich Tukur weiterhin oft zu sehen, so unter anderem in den Filmen "Die Kaltenbach-Papiere", "The Ginger Man" und 1993 als junger Herbert Wehner in Heinrich Breloers zweiteiligem Fernsehspiel "Wehner - Die unerzählte Geschichte". 1995 erhielt er zum ersten Mal die Goldene Kamera für seine Hauptrolle in Matti Geschonnecks TV-Studie über einen Triebtäter, "Der Mörder und sein Kind".
Im selben Jahr übernahm Tukur mit Ulrich Waller auch die künstlerische Leitung der Hamburger Kammerspiele, die er rasch auf Erfolgskurs brachte. Ebenfalls 1995 gründete er die Tanzkapelle "Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys", mit der er 1998 die Schallplatte "Meine Sehnsucht ist die Strandbar" aufnahm und auf Tournee ging. Auch als Schauspieler war er weiterhin erfolgreich. Wichtige Rollen waren unter anderem die Titelrolle des "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen und die Verkörperung des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer für den Film "Bonhoeffer - Die letzte Stufe".
Deutscher Fernsehpreis 2004
2004 wurde Ulrich Tukur als "bester Schauspieler" in dem ARD-Tatort "Das Böse" mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet und im selben Jahr als Henning von Tresckow in Jo Baiers "Stauffenberg" hoch gelobt. 2005 drehte er in Dror Zahavis Film "Die Luftbrücke" und für das ZDF an der Seite von Corinna Harfouch den Film "Die fremde Frau". Ein großer Kinoerfolg wurde "John Rabe" mit Tukur in der Hauptrolle eines Hamburger Kaufmanns, der während des japanisch-chinesischen Kriegs einen Großteil der Zivilbevölkerung rettete. Weitere wichtige Kinofilme, in denen Tukur seinen Ruf als Charakterdarsteller bewies, waren "Séraphine" (2009) und die düstere deutsche Kindergeschichte "Das weiße Band" (2009) sowie "Das Vaterspiel" (2009) nach Josef Haslingers gleichnamigem Roman.
Seit 2010 ist er nun ein ganz besonderer "Tatort"-Ermittler. Als Wiesbadener Kommissar Felix Murot, einem LKA-Ermittler mit lebensbedrohlichem Tumor im Kopf, löst er einen Fall pro Jahr. Für seine Rolle erhielt Ulrich Tukur im Februar 2011 die "Goldene Kamera" als bester deutscher Schauspieler.
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